.
Antifa-West antifaschistische Informationen aus Bielefeld und OWL

Home

Antifa OWL

Courage gegen Rechts

Naziszene OWL

Geschichte

Rassismus

Literatur

Kontakt

Links und Adressen

Suche


Zum 60. Jahrestag der Befreiung des Stalag 326 VI/K in Stukenbrock

Kulturinitiative Detmold e.V., 24.02.2005

Am 2. April 1945 wurden die Gefangenen des Stalag 326 VI/K in Stukenbrock durch die an diesem Tage einrückenden amerikanischen Truppen befreit. In diesem Jahr wird der 60. Jahrestag der Befreiung mit einer Gedenkfeier begangen. In Kooperation mit dem Bildungswerk Lippe und dem Vorbereitungskreis für das Antifa Work-Camp 2005, veranstalteten wir am 23. Februar 2005 im autonomen Kultur- und Kommunikationszentrum alte Pauline einen Informationsabend zum Thema.

In diesem Zusammenhang erinnern wir daran, dass der Kalte Krieg im letzten Jahrhundert nicht spurlos an dem von Überlebenden des Stalag errichteten Sowjetischen Soldatenfriedhof, auf dem die 65.000 Toten des Lagers in Massengräbern ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, vorübergegangen ist. Nur 10 Jahre nach der Befreiung wurde damals damit begonnen, das auf dem Gräberfeld von Überlebenden errichtete Denkmal abzureißen und die Sterne vom Denkmal und auch die auf der Spitze des Denkmals befindliche Glasplastik mit dem Staatsymbol der UdSSR mit Hammer und Sichel abzumontieren und an seine Stelle ein Orthodoxes Kreuz zu setzen. Nur der Druck der Alliierten hat 1956 den totalen Abriss des Ehrenmals verhindert: Auf Intervention der Sowjetischen Militärmission und den seiner Zeit zuständigen britischen Dienststellen ist dieser Akt abgebrochen und die Inschriften und die Embleme am Denkmal wieder angebracht worden. Die Glasplastik auf der Spitze des Denkmals wurde aber bis heute nicht wieder angebracht.

In den vergangenen Jahren ist immer wieder die Forderung erhoben worden, den inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Obelisken wieder so herzustellen, wie ihn die Überlebenden errichtet und als Mahnmal für die Zukunft erhalten wissen wollten. Im Frühjahr 2004 hat der Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock erneut die Initiative ergriffen und beim zuständigen Denkmalschutzamt der Bezirksregierung in Detmold die Wiederherstellung des Denkmals in seiner ursprünglichen Form beantragt. Die immer noch aktuelle Ablehnung der Bezirksregierung stößt vor allem bei den Überlebenden in den Nachfolgestaaten der UdSSR auf Unverständnis und Protest.

In einem Brief von drei Überlebenden des Lagers heißt es unter anderem: "Man mag zu den Symbolen stehen, wie man will. Man sollte aber respektieren, dass im Lager Stukenbrock Menschen der verschiedensten Religionen und politischen Meinungen Opfer des menschenverachtenden Regimes der Nazis wurden. Sie lassen sich nicht unter dem Symbol eines Kreuzes vereinigen. Sie alle aber waren Bürger der UdSSR und ihr gemeinsames Staatssymbol war nun einmal die rote Fahne mit Hammer und Sichel. Dieses Symbol wurde von den Überlebenden des Lagers für den Obelisken gewählt und auch von den damals zuständigen alliierten Behörden genehmigt. ( ... ) Für uns war die Entfernung dieses Staatssymbols vom Obelisken ein unsere Gefühle zutiefst verletzender Akt."

Wir weisen daraufhin, dass zwei dieser Überlebenden, der dritte ist in der Zwischenzeit gestorben, am 2. April um 16 Uhr auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof an der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers teilnehmen werden. Dass im Jahr 2004 drei der letzten noch lebenden Gefangenen des Stalag 326 einen Brief schreiben müssen, in dem sie um die Wiederherstellung des Denkmals bitten, ist mehr als ein Skandal. Es geht hier um ein Ehrenmal, das keineswegs von den mörderischen NS-Tätern in Reue zur Erinnerung an die 65.000 Opfer errichtet wurde, sondern von Menschen, die das Stalag 326 überlebt haben.

Wir fordern Regierungspräsident Andreas Wiebe deshalb auf, der anhaltenden Beleidigung der Toten von Stukenbrock endlich ein Ende zu setzen.

soli@alte-pauline.de