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Biker gegen Rechts - Kein Platz für Neonazi Schönborn an der Brocker Mühle

Keinen Bock auf Nazis haben etliche Bikerinnen und Biker an ihrem wöchentlichen Treffpunkt an der Brocker Mühle in Herzebrock-Clarholz. Am 9. Juni informierten sie durch Flugblätter und Transparente über den Laden "Meniha", den Meinolf Schönborn an dem Motorradtreff betreibt.

Gut tausend Bikerinnen und Biker hatten sich am frühen Abend des 9. Juni an der Brocker Mühle eingefunden. Neben dem Landgasthaus sorgten Bratwurst-, Getränke-, Eis- und Pizzastände für die Versorgung. Ein Bus für mobile Blutspenden des Deutschen Roten Kreuzes und ein Informationsstand der Polizei standen auf dem Gelände. Die Großveranstaltung findet jeden Mittwoch statt, an guten Tagen mit bis zu 3.000 Besucherinnen und Besuchern. Mittendrin hat der Neonazi Meinolf Schönborn den Laden "Meniha" etabliert. Das Angebot erscheint auf den ersten Blick unverdächtig: Kleidung mit der Marke "Teutonic Warrior", keltischer und germanischer Schmuck, Wikingerplakate, Militaria, esoterischen Kitsch und jede Menge Runenkunde. Eindeutig neonazistische Symbole sind nur vereinzelt zu finden, etwa das SS-Symbol der "Schwarzen Sonne" oder die Reichskriegsflagge im Internetangebot. Als ein Biker jedoch kürzlich einen Aufkleber "Brocker Mühle" kaufte und sich für die Auslagen interessierte, bekam er gleich einen Katalog des neonazistischen "Z-Versand" in die Hand gedrückt, ebenfalls ein Geschäft Schönborns. Dessen Programm lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. "Da sollte man originale Hitler Reden kaufen", berichtet der Mann in einem Flugblatt. "Landser, Endstufe und Screwdriver CDs, nachgemachte Wehrmachtsuniformen, «Rudolf Heß T-Hemden» oder so tolle Bücher wie «Warum wir Adolf Hitler wählen» (Zitat Internetseite)".

Grund genug für rund 40 Bikerinnen und Biker mit Unterstützung von Cable street Beat, Kuhle Wampe Bielefeld, dem antifaschistischen Kreisplenum Gütersloh und anderen, an der Brocker Mühle über "Meniha" zu informieren. Flyer, Redebeitrag und Stelltafeln fanden denn auch großes Interesse bei den Besucherinnen und Besuchern. Ein Redner forderte auf, nicht bei "Meniha" zu kaufen, weil damit extrem rechte Propaganda unterstützt werde. Jene Euros, die Schönborn an der Brocker Mühle durch den Verkauf von Streetwear, Wikingerkult und Germanentümelei einnehme, stecke er im "Z-Versand" in Hasspropaganda. Auch die Besitzer der Mühle wurden aufgefordert, gegen "Meniha" vorzugehen. Möglicherweise wussten sie bis dato nicht, dass ein bekannter Neonazi unter ihrem Dach sein braunes Süppchen kocht.

Wer ist Meinolf Schönborn

Der Betreiber beider Geschäfte begann Anfang der 80er Jahre seine Neonazikarriere als NPD-Funktionär, war aber selbst dieser neonazistischen Partei zu extrem. So gründete er erst den "Förderkreis junges Deutschland" und später die "Nationalistische Front" (NF). Zahlreiche Gewalttaten bis hin zu rassistischen Morden und Brandanschlägen gingen von Mitgliedern und Anhängern der Organisation aus. Auch der NF-Vorsitzende Schönborn wurde wegen neonazistischer Überfälle verurteilt. Zuerst betrieb die NF ein Zentrum in der Bielefelder Bleichstraße, dann in Pivitsheide bei Detmold. Beide Häuser scheiterten am massiven Widerstand von antifaschistischen Initiativen. Als bekannt wurde, dass die NF paramilitärische Terrorgruppen, sogenannte "Nationale Einsatzkommandos" gründete, wurde die Partei 1992 verboten. Wie eng Schönborn ins Milieu der neonazistischen Bombenleger verstrickt war, zeigt seine Verbindung zu dem Terroristen Peter Naumann. 1996 übergab Naumann in einer gemeinsamen Aktion mit Schönborn 13 Waffendepots an die Polizei. Zwei Jahre zuvor hatte Schönborn versucht, seine Aktivitäten in ein Haus im dänischen Kvaers zu verlagern. Sein "sicherer Auslandssitz" war jedoch in Dänemark wenig beliebt. Er wurde von Demonstrationen militant angegriffen, das Propagandamaterial verbrannt und Schönborn erneut vertrieben. Adresslisten von Mitgliedern der verbotenen NF, von Anhängern und Kunden seines "Klartextversandes" gerieten an die Öffentlichkeit. Zurück in Pivitsheide wurde Schönborn bald nach dem dänischen Intermezzo wegen Fortführung der verbotenen NF zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Wesentlich für das Urteil war die Fortführung des "Klartext-Versandes" der NF durch Schönborn. Nach Verbüßung der Haftstrafe widmete sich der geschäftstüchtige Neonazi erneut dem Verkauf von Neonaziaufklebern, Büchern, CDs, Szenekleidung und sonstigen Devotionalien. Der neue "Z-Versand" in Herzebrock-Clarholz weist starke Ähnlichkeiten mit dem verbotenen "Klartextversand" der NF auf. Auch in der Öffentlichkeit tritt Schönborn in letzter Zeit wieder auf, etwa auf NPD-Veranstaltungen.

Der "Z-Versand"

Mit dem in Herzebrock-Clarholz angesiedelten "Z-Versand" oder "Zündstoff Verlag" setzt Schönborn, das in der NF begonnene lukrative Geschäft mit Rechtsrock und Neonazibedarf fort. Über den Versand ist ein umfangreiches Angebot zu beziehen, Szenekleidung vom Stiefel über T-Schirts bis zum Kapuzenhemd, Armreifen mit Runenschrift, Anstecker, Anhänger, Aufkleber, Reichskriegsflaggen, Wimpel oder Bierkrüge. Neben NS-Origianalplakaten und Neonazi-CDs gab es Partieposten aus Armee- und Bundeswehrbeständen, Freizeitkleidung, Messer, Macheten und Camping-Zubehör. Im Angebot ist Textildruck mit verschiedenen Motiven und Parolen, etwa "White Power", Reichsadler, NS-Bildchen oder soldatischen Abbildungen aus dem Zweiten Weltkrieg mit dem Slogan "Wer für sein Volk kämpft ist immer im Recht". Besonderen Anstoss nahmen die Antifaschistinnen und Antifaschisten am 9. Juni an dem Vertrieb der "Landser" CD "Rock gegen ZOG". ZOG ist eine Abkürzung für den Nazi-Ausdruck "Zionist Occupied Governments", also zionistisch unterwanderte Regierungen, ein Begriff für die angebliche "jüdische Weltverschwörung". Darunter steht auf dem Cover "hepp-hepp" mit Bezug auf die antijüdische "hepp-hepp-Bewegung" des 19. Jahrhunderts, die ihre Morde und Pogrome mit dem Kampfruf "hepp-hepp" beging. Ganz unten auf der CD steht dann "und noch einmal". Zusammen gelesen ergibt das: "Jüdische Weltverschwörung, Judenverfolgung, und noch einmal", kaum anders zu verstehen als Aufruf zu Mord und Pogrom.

Mit dem "Z-Versand" beliefert Schönborn die Szene mit hartem Nazistuff. Im Laden "Meniha" in der Brocker Mühle will er mit Motoradfans, Rockern, oder an Wikingerkult und Fantasy Interessierten den schnellen Euro machen. Zugleich dient ihm das Ladengeschäft zur Kontaktaufnahme, um neue Kunden für Nazidevotionalien und Anhänger für die Szene zu werben. Somit sind "Z-Versand" und "Meniha" zwei Seiten derselben braunen Medaille. Weg damit!

(Antifa West, Juni 2004, unter Verwendung des Flugblattes "Kein Platz für den Neonazi Schönborn an der Brocker Mühle!"von einigen Bikerinnen und Bikern mit freundlicher Unterstützung der Sozialistischen Kultur Arbeit, Cable street Beat - strictly antifacist, Kuhle Wampe (Bi), antifaschistisches Kreisplenum Gütersloh und antifaschistischen Freundinnen und Freunden aus der Region. Ausführliche Infos und Bilder der Informationsaktion in einigen Tagen unter http://www.cable-street-beat.de/.