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Antifa-West antifaschistische Informationen aus Bielefeld und OWL

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We will rock you - Tour

Jeweils bis zu 100 AntifaschistInnen kamen heute in Hiddenhausen, Herford, Leopoldshöhe, Verl und Bielefeld zusammen, um gegen führende Aktivisten der neonazistischen RechtsRock-Szene zu demonstrieren. Die Aktionen waren in eine antifaschistische Busrundfahrt unter dem Motto "We'll rock you Tour 2003 - Kein Raum der Nazimusik!" und die gleichnamige Kampagne antifaschistischer Gruppen aus NRW eingebunden.

Das Bielefelder Bündnis Courage gegen Rechts und die weiteren veranstaltenden antifaschistischen Gruppen werteten die Aktion als vollen Erfolg. AnwohnerInnen an den betroffenen Orten zeigten reges Interesse an den für sie meist neuen Informationen über die Biedermänner in der Nachbarschaft. Die Neonazi-Aktivisten konnten so aus ihrer Anonymität gerissen werden und werden es in Zukunft deutlich schwieriger haben, aus einem vermeintlich ruhigen Hinterland ihre menschenverachtende Propaganda zu verbreiten.

Alle Kundgebungen verliefen trotz massiver Polizeibegleitung durch eine komplette Hundertschaft und Provokationen durch den "Staatsschutz" ausnahmslos friedlich.

Neonazis bekamen die Aktionsteilnehmer vereinzelt zu Gesicht. Insbesondere in Herford waren vermummte Faschisten in der Wohnung des Neonazi Mack anwesend. Bei Mack handelt es sich um den Anmelder eines Konzerts in Lockhausen, an dem im September 2003 etwa 120 Neonazis teilgenommen hatten. Dort waren offen Hakenkreuze getragen worden; gespielt wurden vor allem Coverversionen der bis zu ihrer Verhaftung aus dem Untergrund agierenden Nazi-Kultband "Landser".

In Verl kam es zu Streitigkeiten mit Familienmitgliedern des Neonazi Marco Laszcz. Vor allem Mutter Laszcz wies entschieden von sich, dass ihr Sohn - immerhin langjähriger, auch international angesagter Nazi-Aktivist als Barde "Sleipnir" - ein Faschist sei. Außerdem wohne er nicht dort... Warum unter ihrer Adresse aber neonazistische Internetseiten angemeldet sind, ließ die gute Frau offen. DemonstrantInnen brachten auf den Punkt: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - darum steht dein Sohn auch stramm!"

In Hiddenhausen-Oetinghausen waren es Nachbarn und Freunde des vor allem in Bünde aktiven Neonazi-Aktivisten Michael Stephan, die erfolglos versuchten, antifaschistische DemonstrantInnen zu filmen. Ein ähnliches Szenario in Leopoldshöhe, wo vereinzelte Aktivisten und FreundInnen der Nazi-Blackmetaller "Christhunt" sich mit einer Kleinbildkamera in der Wohnung verschanzt hatten. Lediglich bei Hendrik Stiewe vom "H8Rock-Versand" in der Bielefelder Innenstadt ließ sich überhaupt niemand blicken, sicher besser so.

(Antifa-AG an der Uni Bielefeld)

An den einzelnen Stationen verteilten DemoteilnehmerInnen Flugblätter:

Oetinghausen/Hiddenhausen - Michael Stephan

Kein Raum der Nazimusik

Sehr geehrte Anwohner der Eilshausener Straße,

wir, Antifaschisten aus Ostwestfalen, starten heute unsere Bustour "Kein Raum der Nazimusik" bei einem Aktivisten der regionalen Neonazi-Szene in Ihrer Straße. Denn von hier betreibt Michael Stephan seine Firma werbedesign.net. Stephan hat dazu beigetragen, dass die örtliche rechte Szene es bis in offizielle Broschüren des Innenministeriums Nordrhein-Westfalens gebracht hat.

Sein Beitrag bestand zum Beispiel darin, dass anläßlich seines Geburtstages ein Konzert in Bünde stattfand, bei dem namhafte neonazistische Bands auftraten. Neben den üblichen rassistischen Inhalten wurde auf diesem Konzert auch für die Nazi-Terrorgruppe Combat 18 (zu deutsch: Ziel Adolf Hitler) geworben. Bei der deutschen Sektion dieser Gruppe wurde bei Hausdurchsuchungen im Herbst diesen Jahres zahlreiche Waffen gefunden. Wer es, wie Stephan zuläßt oder gar unterstützt, dass auf seinem Geburtstag für solche Terrorgruppen geworben wird, der muß damit rechnen, dass er ins Licht der Öffentlichkeit gerät.

Die Aktivitäten Stephans und anderer Bünder Kameraden zielen darauf ab, eine neonazistische Erlebniswelt für Jugendliche herzustellen. Geländespiele, Fußballtuniere oder eben auch Konzerte sind die Elemente einer solchen neonazistischen Erlebniswelt. Unter Mitwirkung von Stephan entstand das rechte Musikmagazin "Skinhead Meeting", durch das Jugendliche an die Gedankenwelt des Rechtsextremismus herangeführt werden. Für die Nazi-Zeitschrift "Unsere Welt" des Führungskader der ostwestfälischen Naziszene, Bernd Stehmann, steuerte Stephan sein berufliches Know-How bei, er gestaltete die Werbung für dieses Blatt im Internet.

Als Werbefachmann weiß er, dass seine Tätigkeit für die rechte Szene Probleme mit sich bringen kann. Eben deshalb möchten wir ihn darauf hinweisen, dass er diesen geschäftlichen Problemen aus dem Weg gehen kann. Wäre er nicht Aktivist der Naziszene, wären wir nicht hier und er könnte in Ruhe seinen Geschäften nachgehen. Als Aktivist des Rechts-Rock muß er damit rechnen, dass er ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird. Diese Negativwerbung hat allein er zu verantworten.

Wir werden es nicht zulassen, dass Aktivisten wie Michael Stephan ungestört ihre Hetze verbreiten und dass sich lokale neonazistische Szenen bilden, die bestimmte Regionen zur no-go-area für Nicht-Deutsche, Linke oder andere nicht in das Ordnungsschema von Neonazis passende Menschen machen.

Vielmehr wollen wir, dass rechte Aktivisten täglich damit konfrontiert werden, dass man sie als Rassisten und Neonazis ablehnt, mit ihnen politisch nichts zu tun haben will und bei jeder Gelegenheit spüren läßt, dass man ihre politische Ausrichtung verurteilt.

Denn Neonazismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

(Courage gegen Rechts, Bielefeld)

Leopoldshöhe

Christhunt - zwischen neonazistischem Underground und kirchenfeindlicher Jugendkultur

In der Lageschen Straße 42 in Leopoldshöhe hat der Versand und das Platten-Label "Christhunt" von Marco Martin seinen Sitz. Bei diesem handelt es sich um einen der wichtigsten Produzenten und Verkäufer rechtsextremistischer Black-Metal-Musik.

Circa 1999 gründete Marco Martin den Versandhandel und das Label "Christhunt" (deutsch: "Christenjagd"). Das Label ist auf die Musik des Black-Metal spezialisiert. Black Metal gilt als eine der extremsten Spielarten des Heavy Metal. Die Musik ist durch schnelle, schrille Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugrythmen und kreischenden Gesang gekennzeichnet. Der Begriff Black Metal bezeichnet darüber hinaus eine Szene, deren Gemeinsamkeit neben der Musik ihre inhaltliche Ausrichtung und kriegerisch wirkende Ästhetik ausmacht. Inhaltlich schwelgt die Szene in Untergangs- und Vernichtungsvorstellungen, die Industriegesellschaft wird als verkommen, materialistisch und verlogen empfunden. Gängig ist die Agitation gegen die als ebenfalls verlogen empfundene christliche Kirche und die von dieser zwar gepredigten, selbst aber oft nicht eingehaltenen Moralvorstellungen. So ist auch der Name "Christhunt" ein für die Szene nicht untypischer Name. Allerdings hat sich nur ein kleiner Teil der Szene dem sogenannten "National Sozialist Black-Metal" verschrieben, darunter Christhunt. Das Label veröffentlichte fast 40 Tonträger, in seinem Versandhandel bietet es über 400 Tonträger an. Von diesen sind aber nur ein Teil rechtsextremistischen Inhaltes. Dies stellt jedoch die besondere Gefahr dar. Einerseits wird offen neonazistisches Material angeboten, wie die CD "Töten für Wodan" der Band "Wolfnacht", die im Booklet sogar Hakenkreuze zeigt, andererseits spricht es mit seinem breiten Angebot auch nichtrechte Szenegänger an, die dann hier vielleicht erstmals in Kontakt mit den Bands des neonazistischen Black Metal kommen. Das Label und der Versand Christhunt sind bundesweit und sogar darüber hinaus wichtig für die Entwicklung der Rechtsextremisten innerhalb der Black-Metal-Szene.

Bekannteste deutsche Band dieses rechten Metal ist die Band Absurd aus Thüringen. 1993 waren Mitglieder der Band an der Tötung ihres Mitschülers Sandro Beyer beteiligt. Der Mord wurde unter dem Stichwort "Satansmord von Sondershausen" bekannt. Die Band Absurd bildet den Kern der bundesdeutschen Szene. Nach seiner Haftentlassung begann der Bandleader wieder Musik zu machen. Im Zentrum steht jetzt nicht mehr die Kritik oder Ablehnung des Christentums, sondern der Rückbezug auf die angeblich "arteigene" Religion des Heidentums. Dieses wird als uns quasi durch unsere "Rasse" zugehörig gepredigt. Das Christentum als "Ausgeburt des Judentums" und als "Religion der Schwäche" verdammt. Der hier geäußerte Antisemitismus verbindet sich mit einer Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Christhunt verkaufte die Tonträger der Band Absurd, es gibt enge Verbindungen zum Umfeld der Band. Aus dem Umfeld von Absurd kommt auch die Band Magog, die ebnfalls dem Nazi-Black-Metal zuzuordnen ist. Auf deren 2002 von Christhunt veröffentlichten LP "Magog" singt die Band "wir marschieren in eine neue Zeit, die uns von Juden und Christen befreit". Diese Verbreitung von Antisemitismus und rechtem Gedankengut muß sofort aufhören.

Wir fordern die sofortige Schließung des Versandes "Christhunt".

(Courage gegen Rechts, Bielefeld)

Verl

Sleipnir - eine Verler Rechts-Rock-Band zwischen neonazistischer Szene und Partei

Die Band Sleipnir, deren Mitglieder aus Verl, Gütersloh und Bad Salzuflen kommen, gehört zu den aktivsten und umtriebigsten Rechts-Rock-Bands aus NRW. Sie ist jedoch weit über NRW und auch über die BRD hinaus bekannt. Enge Kontakte bestehen zu Vertretern des in Deutschland verbotenen Blood & Honour Skinheadnetzwerks, zu den neonazistischen Gruppen der sogenannten "Freien Kameradschaften" und auch zur NPD, für welche die Band mehrfach auftrat. Sie sind die lokalen Stars der Nazi-Rockszene, spielen aber auch auf internationalen Konzerten.

Sleipnir ist inzwischen mit einem hauseigenen Label und einem Versand aktiv und beliefert die Szene mit ihrem rechten Sound.

Kopf von Sleipnir ist der circa 30-jährige Marco Laszcz aus Verl, der schon seit 1988 Musik macht. Ab 1995/96 trat er unter dem Namen Sleipnir auf. Die erste CD "Mein bester Kamerad" erschien 1996 und wurde vom Amtsgericht Ulm mit der Begründung beschlagnahmt, die Lieder hetzten "in menschenverachtender Weise gegen Ausländer, ... indem er sie zu Parasiten herabwürdigt, die kein Recht hätten in Deutschland zu leben". Nach der Bildung einer dreiköpfigen Band spielt Sleipnir auch als Rechts-Rock-Band auf großen Konzerten im In- und Ausland auf. So war die Band zu Konzerten in London und in Zagreb eingeladen. Inzwischen hat die Band sechs CD's und eine Reihe von Samplerbeiträgen produziert.

Ebenfalls 2003 wurde das hauseigene Label "Boundless-Records" und der Versand "Wolfszeit" gegründet. Das Label veröffentlichte bisher zwei CD's von Sleipnir, für Anfang Dezember ist das Erscheinen der dritten Produktion angekündigt. Im Wolfszeit Shop kann der Rechtsrock-Fan dutzende von CD's einschlägiger Bands wie Nordmacht, Aryan Brotherhood oder Blue Eyed Devils kaufen, sich ausgewählte Lieder als MP3 downloaden oder politische Propaganda auf T-Shirts erwerben. Ergänzt wird das Angebot durch in der Szene kursierende Zeitschriften und Anstecker, auf denen das Bekenntnis zur "Braunen Armee Fraktion" prangt.

Sleipnir ist einer der wichtigsten Akteure der rechten Erlebniswelt in OWL, die gerade für Jugendliche den Neonazismus attraktiv macht.

Es ist genug mit der rechten Hetze, drehen wir den Akteuren des Rechts-Rock den Sound ab. Stoppen wir Sleipnir, den Wolfszeit-Versand und Boundless-Records.

(Courage gegen Rechts, Bielefeld)

Bielefeld

Stoppt den Rechts-Rock-Aktivisten Hendrik Stiewe und den H8Rock-Nazi-Musikversand

Der Rechts-Rock-Aktivist Hendrik Stiewe aus der Mühlenstraße 45 in Bielefeld gehört zur rechtsextremen Szene in Ostwestfalen. Er ist dafür verantwortlich, dass der in Bad Salzuflen ansässige Versandhandel H8Rock sein rechtsextremes Musikangebot im Internet präsentieren kann. Allein der Name des Musikversandes macht deutlich, woher der Wind weht. Jeder Jugendliche, der rechtsextreme Zahlenspielerei kennt, weiß, dass die 8 im Namen des Versandes für den achten Buchstaben im Alphabet steht. Damit liest er den Namen als "Heil-Hitler-Rock".

Hendrik Stiewe verfährt nach einem Muster, das der bis zu seinem Tode international wohl wichtigste Rechts-Rock-Aktivist Ian Stuart Donaldson wie folgt zusammenfasste: "Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden."

Versände von neonazistischer, rassistische Gewalt verherrlichender Musik sind somit ein wichtiges Mittel, um junge Menschen in die Kreise von Neonazis hineinzuziehen. Genau für dieses Ziel arbeiten Hendrik Stiewe und der H8Rock-Versand. Sie bringen rassistische und neonazistische Musik an die jugendlichen Konsumenten. An Stiewe und dem H8Rock-Versand orientieren sich Jugendliche, die für diese rechtsextreme Propaganda empfänglich sind.

Herr Stiewe ist darüber hinaus in den einschlägigen Internetforen militanter Neonazis aktiv. Dort schreibt er als "Masterrace" (zu deutsch: "Herrenrasse") und schließt sich der Hetze gegen Juden an.

Eingebunden ist Herr Stiewe als Student auch in eine rechtsextreme Universitätsgruppe. Er ist Mitglied der Burschenschaft Normannia Nibelungen an der Bielefelder Schloßhofstraße. Im Haus der Normannia gehen ausgewiesene rechtsextreme Referenten und Holocaust-Leugner ein und aus. Hier referierten Personen wie Horst Mahler und Ursula Haverbeck-Wetzel gegen die zur Zeit wegen Leugnung des Holocaust ermittelt wird. Herr Stiewe ist also kein "ungefestigter Jugendlicher", wie Neonazis in den Medien oftmals dargestellt werden, sondern ein Überzeugungstäter.

Das Ziel unserer heutigen Demonstration soll Herrn Stiewe aus der Anonymität reißen. Für uns ist es wichtig, dass Neonazis wie Stiewe nicht in aller Ruhe ihre Hetze verbreiten können. Unser Ziel ist es, solche Aktivisten der Rechts-Rock-Szene unter Druck zu setzen. In dem Maße, wie wir gegen solche Aktivisten mobilisieren, werden sie weniger in der Lage sein, ihre menschenverachtende Propaganda zu verbreiten. Und in diesem Maße wird auch die regionale Neonazi-Szene geschwächt.

Damit stellen wir unsere Aktion in die internationale Kampagne gegen Rechtsrock "Turn it down!". Mit unseren Aktionen gegen die Rechts-Rock- Aktivisten in Ostwestfalen drehen wir auch hier den Rechts-Rock etwas leiser.

(Courage gegen Rechts, Bielefeld)