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Collegium Humanum neues Zentrum der Holocaustleugner

Die Vlothoer Heimvolkshochschule "Collegium Humanum" entwickelt sich zum Zentrum des Antisemitismus und der Holocaustleugnung. Seit Jahrzehnten finden in dem Haus extrem rechte und neonazistische Veranstaltungen statt. Jetzt hat Ursula Haverbeck-Wetzel, die Mentorin des Hauses, eine Sammlungsbewegung internationaler Holocaustleugner mitbegründet.

Seit einiger Zeit sammeln sich Antisemiten und Geschichtsrevisionisten um Horst Mahler, Ursula Haverbeck-Wetzel, das Deutsche Kolleg und das Collegium Humanum. Am 30. Juli 2003 versuchten Aktivisten der Gruppe in Auschwitz eine Kundgebung abzuhalten, die nur daran scheiterte, dass der Plan den Sicherheitsbehörden bekannt wurde und gegen Horst Mahler ein Ausreiseverbot verhängt wurde. Eine Ersatzveranstaltung inszenierten Mahler und Haverbeck-Wetzel mit rund 10 bis 12 Personen stattdessen auf der Wartburg. Nach einem Bericht der Gruppe versammelten sie sich unter den Augen der Polizei um ein Transparent, mit der Aussage "Den Holocaust gab es nicht". Dazu wurden die Fahnen des Deutschen Reiches und des Deutschen Kollegs hochgehalten. Erst nach Ende der Versammlung beschlagnahmte die Polizei das fragliche Transparent, nebst anderen Kundgebungsmaterialien in einem von Ursula Haverbeck gefahrenen PKW. Kaum auszudenken, wenn diese Kundgebung tatsächlich in Auschwitz stattgefunden hätte. Es wäre wohl eine der abscheulichsten Beleidigungen der Opfer des Nationalsozialismus gewesen.

Internationale der Holocaustleugner

Es scheint, dass die Gruppe um Mahler und Haverbeck-Wetzel die Holocaustleugnerszene durch spektakuläre Aktionen neu beleben wollen, nachdem es in letzter Zeit eher ruhig geworden war. Am 9. November 2003, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, wurde in Vlotho ein neuer Verein gegründet. Der kaum auszusprehende Name erhielt die Abkürzung VRBHV und liest sich "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten". Vorsitzender ist der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub, ein mehrfacher Referent des Collegiums, seine Stellvertretung übernahm Ursula Haverbeck-Wetzel selbst. Mitgewirkt an der Gründung haben fast alle bekannten Leugner des Holocaust, darunter Ernst Zündel (Kanada), Robert Faurisson (Frankreich), Germar Rudolf, Jürgen Graf, Gerd Honsik, Wilhelm Stäglich, Fredrick Thöben (Australien), Andres Studer, Hans Dietrich Sander, Manfred Roeder, Frank Rennike und Anneliese Remer. Die meisten dieser Gründer haben durch spektakuläre Aktionen oder Veröffentlichungen den Holocaust geleugnet und sind dafür in der Regel auch verurteilt worden.

Ziel des Vereins ist die Wiederaufnahme von entsprechenden Verfahren. Angeblich neues Beweismaterial soll ein Artikel des Spiegelredakteurs Fritjof Meyer in der Zeitschrift "Osteuropa" enthalten. Demnach wurden in Auschwitz selbst etwa 500.000 Menschen ermordet. Ungeachtet der Tatsache, das der Nationalsozialismus in einem beispiellosen Völkermord das Leben von 6 Millionen europäischer Juden vernichtete, soll nun die Frage, wieviele davon tatsächlich in Auschwitz der Vergasung durch Zyklon B zum Opfer fielen, angeblich zur Entlastung der Geschichtsrevisionisten herhalten. Diese Zahlenrechnerei kommt schon angesichts der Beispiellosigkeit des Holocaust einer Beleidigung der Opfer gleich. Trotzdem wird der Artikel funktionalisiert.

Permanente Übertretung der Gesetze

Ziel der Gruppe um Mahler und Haverbeck scheint denn auch eher eine faktische Revision der Strafgesetze zu sein. Nicht nur die Hohmannaffäre bietet dafür ein günstiges Umfeld. Das Kalkül, durch permanente und dreiste Wiederholung der Holocaustleugnung deren straffreie Behauptung durchzusetzen, stützt sich auch auf die Untätigkeit der Strafverfolgungsbehörden. Es scheint, dass die Initiatoren es darauf anlegen, wegen Holocaustleugnung angeklagt zu werden. Sie dokumentierten ihre Aktion auf der Wartburg mit Fotos der Beteiligten ausführlich auf einer von Klaus Weichhaus betriebenen Seite im Internet. Dort wurde der an Eindeutigkeit nicht zu überbietende Slogan der Kundgebung auf der Frontpage noch einmal plakativ wiederholt, ohne dass die Behörden es bislang unterbunden hätten.

Auf der Internetseite von Weichhaus finden sich auch Einladungen zu Seminaren im "Collegium Humanum" und zahlreiche Papiere der Gruppe um Mahler und Haverbeck-Wetzel. Darunter ein offener Brief Ursula Haverbecks zur Hohmann Affäre an den CDU-Landesverband Hessen, in dem wüste Drohungen ausgestoßen werden: "Es geht um Wahrheit und Gerechtigkeit. Wenn das für CDU-Politiker Antisemitismus ist - oder auch für SPD Repräsentanten - dann haben Sie sich damit selbst das Todesurteil gesprochen. Bedenken Sie, was Sie tun!" Bei dem Schreiben handelt es sich um einen von Ursula Haverbeck-Wetzel unterzeichneten sogenannten "Reichsbrief" auf dem Briefkopf von Klaus Weichhaus, der "für das Deutsche Reich handelnd, in Geschäftsführung ohne Auftrag", als eine Art selbsternannter Reichsgeschäftsführer firmiert. Die Todesdrohung mag etwas überspannt klingen und die Reichsgeschäftsführung Weichhaus' eine Selbstüberschätzung sein, doch das Potential ist gefährlich. Die Reaktionen auf die Affäre um den CDU-Abgeordneten Martin Hohmann haben gezeigt, dass in der Bundesrepublik ein Bodensatz an agressiven antisemitischen Einstellungen existiert. Es ist nicht auszuschließen, dass die antisemitische Hetze von Mahler, Haverbeck-Wetzel & Co. bei einer relevanten Minderheit einen Resonanzboden findet.

"Collegium Humanum" muss geschlossen werden

Die sogenannte Heimvolkhochschule Collegium Humanum in Vlotho scheint zum Zentrum der Holocaustleugner zu werden. Fanden in letzter Zeit nur gelegentlich Veranstaltungen dort statt, ist das Haus nun häufig belegt. Ständiger Gast ist Horst Mahler. Er referierte am 11. April 2003 vor der regionalen Neonazisszene auf einer Veranstaltung der "Gesellschaft für freie Publiszistik" über seine Weltverschwörungstheorien im Zusammenhang mit den Anschlägen am 11. September. Im Oktober und November fanden zwei Wochenendseminare zur Hegelschen Philosophie und zum Aufstandsplan des Deutschen Kollegs statt. Ein dritter Teil des Seminars ist für den 12. bis 14. Dezember geplant.

Bislang protestierten vor allem antifaschistische Initiativen gegen die antisemitischen Umtriebe im "Collegium Humanum". Rund 30 bis 40 Menschen blockierten im Oktober symbolisch den Beginn des Seminars. Während die örtliche Polizei sich kooperativ verhielt und den Neonazis vom Besuch der Veranstaltung abriet, wurden später die Personalien fast aller AntifaschistInnen von der herbeigerufenen Bezirksreserve der Polizei aufgenommen und Ermittlungsverfahren angedroht. Die Veranstaltung auf dem Collegium hingegen wurde nicht belangt. Auch die städtischen Repräsentanten haben bislang noch nicht zu den Vorgängen im Collegium Humanum Stellung bezogen. Auf einer Demonstration in der Innenstadt Vlothos im September beklagte der engagierte örtliche DBG-Vorsitzende die geringe Teilnahme Vlothoer Bürger.

Jetzt hat die ehemalige Bundestagsabgeordnete Annelie Buntenbach bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Haverbeck-Wetzel, Mahler, Weichhaus und die Beteiligten der Aktion auf der Wartburg erstattet. "Bei Holocaustleugnung handelt es sich nicht um eine mehr oder weniger fragwürdige Meinung, sondern um eine Beleidigung der Opfer des Nationalsozialismus", erklärte Buntenbach. "Die massive Begehung von Straftaten im Umfeld des Collegium Humanum muss geahndet werden, sonst geht das Kalkül einer faktischen Revision der Strafgesetze durch deren permanente Übertretung auf. Die Strafverfolgungsbehörden sind daher gefordert einzuschreiten und das Haus gegebenenfalls zu schließen."

Nachtrag: Wie die Neue Westfälische berichtet, beschlagnahmte die Bielefelder Staatsanwaltschaft am 25.11.2003 in Vlotho Exemplare der Zeitschrift "Stimme des Gewissens", die vom Collegium Humanum herausgegeben wird. In der Zeitschrift wurde ebenfalls der Holocaust geleugnet.