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Antisemitismus im Schafspelz

Im Februar fanden Anwohner des Bielefelder Niederbrodhagen eine Zeitschrift im Briefkasten: "Der Freie Berater, Unabhängige Zeitschrift für unabhängige Anleger". Zwischen Artikeln über Aktienfonds und Versicherungsvergleichen stießen sie auf Texte mit tiefbrauner antisemitischer Propaganda.

"Der Freie Berater e.V." ist nach Selbstauskunft ein Verein zum Schutz der Anleger in der Finanzdienstleistung und Herausgeber einer gleichnamigen Zeitschrift. Berichte aus Versicherungswesen und Kapitalmarkt machen den größten Teil des vierteljährlich erscheinenden Blattes aus. Der Verein bricht eine Lanze für freie Anlageberater, die keiner Versicherungsgesellschaft oder Bank verpflichtet seien und die Gewähr für eine unabhängige Beratung bieten würden. Was der Kundschaft in der 11. Ausgabe der Zeitschrift jedoch an extrem rechter Propaganda untergejubelt wird, spottet jeder Beschreibung. "Im Übrigen ist der ein Verräter des Deutschen Volkes, der dessen Geschichte und Rechtsstatus nicht anerkennt", heißt es da. "Das Deutsche Reich lebt und wir alle sind eindeutig Reichsbürger!" Autor dieser Zeilen ist kein geringerer als der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Daniel Shahin. Der Verein reagiert mit der Stellungungnahme auf einen Leserbrief, der sich gegen die weitere Zustellung der Zeitschrift verwahrt, weil er auch in den vorhergehenden Ausgaben "braune Rethorik" ausgemacht hat, "die Leute aufhetzen will".

"Das Deutsche Reich"

"Das Deutsche Reich besteht bis heute fort", schreibt der Verein und positioniert sich damit an der Seite derer, die ein Großdeutschland fordern. Lediglich der "Parteiendiktatur" sei es zuzurechnen, dass dieser angebliche Sachverhalt ignoriert würde. Bundesrepublik und ehemalige DDR werden nach dieser Sichtweise nur als Teilgebiete des "Deutschen Reiches" anerkannt, die "Verzichtserklärungen auf Reichsgebiete jenseits Oder/Neiße" im Rahmen der Wiedervereinigung seien "grundsätzlich ungültig". Diese krude Argumentation zeigt deutliche Ähnlichkeiten zur Reichspropaganda des Deutschen Kollegs, der Neonazis um Horst Mahler und das Collegium Humanum in Vlotho. Am Beispiel des Freien Beraters zeigt sich, das sie nicht nur im kleinen Kreis von weltabgewandten Weltverschörungstheretikern verbreitet wird.

Antisemitismus

Schlimmer noch ist der Antisemitismus des Vereins. Dass es in Deutschland nicht möglich sei "den Juden" zu kritisieren, sei "Ergebnis einer gezielten Massenmanipulation der Kriegsgegner", schreibt Shahin. Über fast zwei Seiten verbreiten die freien Berater antisemitische Zitate u.a.von Henry Ford, dessen Pamphlet "Der internationale Jude" bereits den Nationalsozialisten als Vorlage diente. Zudem gibt der Verfasser Ausschnitte aus den sogenannten "Protokollen der Weisen von Zion" wieder, die ebenfalls zu den Grundlagen der NS-Ideologie gehörten. Die angeblichen Protokolle, sind eine Fälschung, die vermutlich von einem zaristischen Geheimagenten verfasst und der jüdischen Kultur zugeschrieben wurden. Sie dienen Antisemiten seit über 100 Jahren als angeblicher Beleg für eine jüdische Weltverschwörung.

Extrem rechte Tendenz im "Mittelstand"

Der Freie Berater ist ein Beispiel für den tiefsitzenden Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft. Der in Magdeburg eingetragene Verein bezieht sich demagogisch auf Möllemann und Hohmann. Der Vorstand, dem neben Schahin noch Jörn Wagner und Michael Sielmon angehören und der als weitere Gründungsmitglieder Gerlinde Pontow, Karin Pischel, Heidi Heiland und Thomas Anetzberger nennt, weist keine bekannten Kameraden aus der Neonazisszene auf. Lediglich der Redaktion gehört mit Dr. Bruno Bandulet ein Vertreter der extremen Rechten an. Bandulet ist Herausgeber der Zeitschrift "Der Deutschland-Brief", Autor der dem "interlektuellen Rechtsextremismus" zugeordneten "Jungen Freiheit" und ehemaliger Aktivist des nationalliberalen "Bund freier Bürger".

Der "Freie Berater" ist ein weiteres Beispiel für eine extrem rechte Tendenz im sogenannten "Mittelstand". Die antifaschistische Zeitschrift "Lotta" weist in ihrer 15. Ausgabe auf den nordrhein-westfälischen Landesverband des "Bund der Selbstständigen" hin. In dessen Organ "Der Selbstständige" finden sich schon lange Artikel extrem rechter Autoren, darunter auch von Bandulet. Eng verbunden ist der Landesverband mit einem weiteren Verein, der "Stimme der Mehrheit", in dessen Umfeld Bruno Bandulet wiederum auftaucht. Auch dieser Rechtsaußenverein, vereinigt Mitglieder aus der sogenannten "Mitte der Gesellschaft", Großunternehmer, Professoren, Publizisten oder Ex-Abgeordnete.

Das verteilte Exemplar des "Freien Beraters" trägt den Stempel eines in der Bielefelder Albert-Schweitzer-Strasse ansässigen Finanzberaters. Bestürzend ist, dass der Mann offensichtlich glaubt mit kruder Reichsideologie und üblem Antisemitismus Kunden werben zu können.

(Antifa-West, März 2004)