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In Vlotho regt sich Protest gegen Collegium Humanum

Gegen die Seminare im Zentrum der Holocaustleugner in Vlotho protestieren seit Anfang des Jahres immer mehr Menschen. Waren es am 28. Januar rund 30 AntifaschistInnen, bezogen am 25. Februar etwa 80 Menschen Stellung. Die nächste Veranstaltung im Collegium Humanum ist für Samstag den 5. März angekündigt. Nachdem bislang vor allem „weltanschauliche Themen behandelt“ wurden wollen die Neonazis dann „endlich praktische Dinge schulen.“ Eingeladen hat u.a. Meinolf Schönborn, der bereits Anfang der 90er Jahre versuchte mit den „Nationalen Einsatzkommandos“ neonazistische Kampf- und Terrorgruppen in der Region zu gründen.

Der 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz war soeben vergangen, da trafen sich am 28. Januar im Collegium Humanum erneut Neonazis zu einem Seminar. Referenten waren die notorischen Holocaustleugner Bernhard Schaub aus der Schweiz und Horst Mahler. Der ehemalige NPD-Anwalt Mahler ist durch unsäglichen Antisemitismus bekannt geworden. In einem Prozess nannte er den Hass auf Juden ein „Zeichen geistiger Gesudheit“ und erklärte, die Völker der Welt könnten sich keine andere Lösung der „Judenfrage“ vorstellen „als die physische Vernichtung der Angehörigen des jüdischen Volkes.“ Bernhard Schaub ist Vorsitzender des im Collegium Humanum gegründeten „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreiten des Holocaust Verfolgten“, einer internationalen Sammlungsbewegung der Holocaustleugner. Mehr als 30 AntifaschistInnen, überwiegend aus Vlotho, wollten eine Veranstaltung mit derartigen Referenten nicht widerspruchslos hinnehmen. Unter den spontan Protestierenden war auch die Ratsfraktion der „Grünen Liste Vlotho“.

Am späten Nachmittag des 25. Februar hatten Mahler und Schaub erneut nach Vlotho eingeladen. Thema war „Das Deutsche Reich als das Reich der Freiheit oder Die Zukunft der Demokratie ist ihr Untergang.“ Rund 80 AntifaschistInnen standen diesmal vor dem Collegium, um die Schließung des Hauses zu fordern.

Praktische Schulungen für das „Deutsche Reich“

Seit knapp zwei Jahren finden sich Anhänger des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreiten des Holocaust Verfolgten“ und der sogenannten „Reichsbürgerbewegung“ regelmäßig zu Seminaren in Vlotho ein. Am Samstag, dem 5. März sollen nun „endlich“ Schulungen über „praktische Dinge“ beginnen, wie es in der Einladung heißt. „Nur Kameradinnen und Kameraden die fest entschlossen sind, das neue Deutsche Reich wirklich schaffen zu wollen, sind zu diesem Seminar aufgerufen.“ Einlader und Vortragende des Seminars, das am Samstag um 14.00 Uhr beginnt und am Sonntag um 13.00 endet, sind Meinolf Schönborn aus Herzebrock und Klaus Kaping. Schönborn ist in Ostwestfalen als ehemaliger Anführer der „Nationalistischen Front“ (NF) bekannt. Die NF verfügte in den 80er und 90er Jahren über Neonazizentren in Bielefeld und später in Pivitsheide bei Detmold. Als Schönborn begann, sogenannte „Nationale Einsatzkommandos“ aufzubauen, wurde die NF 1992 verboten. Wegen Fortführung der verbotenen Organisation verurteilte das Dortmunder Landgericht Schönborn später zu einer Haftstrafe. Auch die Tatsache, dass Schönborn zusammen mit dem Naziterroristen Peter Naumann unfangreiche Waffenlager an die Behörden übergeben hatte, konnte ihn vor der Verurteilung nicht retten. Derzeit betreibt der Neonazi in Herzebrock den „Z-Versand“ über den er neonazistische Hetzschriften und Devotionalien vertreibt. Dazu gehört auch eine Flugschriftenreihe der „Reichsbürgerbewegung“, in der sich schamlose NS-Verherrlichungen finden. „Für wen war Adolf Hitler der Teufel und das Dritte Reich die Hölle? Jedenfalls nicht für die Deutschen“, ist beispielsweise eines der Pamphlete überschrieben.

Kommt Schönborn aus dem neonazistischen Terrorumfeld, ist Klaus Kaping ehemaliger Angehöriger des Bundesgrenzschutz. Er wurde vor einigen Wochen vom Bad Oeynhauser Amtsgericht wegen Volksverhetzung verurteilt. Gegenstand des Prozesses war ein Artikel in der Hauszeitschrift des Collegium, der „Stimme des Gewissens“.

(Antifa West, Februar 2005)