.
Antifa-West antifaschistische Informationen aus Bielefeld und OWL

Home

Antifa OWL

Courage gegen Rechts

Naziszene OWL

Geschichte

Rassismus

Literatur

Kontakt

Links und Adressen

Suche


Burschenschaft Normannia-Nibelungen – Sammelbecken der extremen Rechten an der Universität

Nach einer antifaschistischen Kampagne gegen die Bielefelder Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ in den Jahren 1999/2000 war es zur Absage von Referenten gekommen und die extrem rechte Verbindung hatte sich teilweise aus Öffentlichkeit zurückgezogen. Das Deutschlandlied in allen drei Strophen verschwand von der Internetseite ebenso wie etliche Fotos und Links. Seit Anfang 2004 sind wieder verstärkt Aktivitäten der Burschenschaft festzustellen.

Am 11. November verabschiedete das Studierendenparlament der Universität Bielefeld einstimmig eine Resolution gegen die Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“. Mehrfach waren von den Burschen zuvor rechtsextreme Zeitschriften wie die „Junge Freiheit“ oder die „Aula“ in der Mensa verteilt worden. In Flugblättern diffamierte die Gruppe zudem ein AStA-Mitglied und einen Mitarbeiter des Radios „Hertz 87,9“. Bemerkenswert an dem Beschluss ist die seltene Einmütigkeit der VertreterInnen alle Hochschullisten von „uniLinks“ bis hin zum „Ring christlich-demokratischer Studenten“ (RCDS). Auch andere Verbindungsstudenten gehen auf Distanz zu der extrem rechten Burschenschaft. Bei der katholischen „Akademischen Verbindung Sparrenberg zu Bielefeld“ haben die Burschen mittlerweile Hausverbot.

Extrem rechte Propaganda an der Uni

Diesen Reaktionen waren im letzten halben Jahr umfangreiche Aktivitäten der Burschenschaft vorausgegangen. So fand im Juli auf dem Haus der Verbindung an der Schloßhofstr. 96 eine Veranstaltung mit Brigadegeneral Reinhard Günzel statt. Der General hatte sich zustimmend zu der antisemitischen Rede des ehemaligen CDU-Abgeordneten Hohmann geäußert und war deshalb aus der Bundeswehr geflogen. Im Oktober trat dann Rudi Pawelka auf. Der Aufsichtsratsvorsitzende der „Preußischen Treuhand GmbH & Co KG. a.A.“ stellt offene Entschädigungsansprüche an die vom Zweiten Weltkrieg und der Rassenpolitik der Nazis betroffenen Nachbarstaaten in Osteuropa. Nicht nur im Internet, sondern auch in der Universität wurde dafür teilweise massiv durch Flugblätter geworben. Darüber hinaus brachte die Burschenschaft Flyer zur Verteilung, in denen sie sich gegen angebliche „Vorurteile“ wehrt oder versucht Kritiker durch Falschdarstellungen in Misskredit zu bringen. Letztere Versuche erinnern mitunter an Methoden der sogenannten „Anti-Antifa“ militanter Neonazikreise.

  • Nach Angaben des Webwecker traten am 21. und 22. Juni sechs Mitglieder der Burschenschaft mit Flugblättern in der Universität auf, in denen sie sich gegen „Vorurteile“ wandten. Insbesondere verwahrten sie sich gegen die Vorwürfe, sie seien frauenfeindlich, Alkoholiker und rechtsextrem. Letzteres war schon darum wenig glaubwürdig, weil sie am 22. Juni zugleich Freiexemplare der extrem rechten Zeitschrift „Jungen Freiheit“ verteilten.(1)

  • Ebenfalls im Sommer kam ein Hochglanzflyer der „Deutschen Burschenschaft“ mit dem Stempel der „Normannia-Nibelungen“ in Umlauf. Darin werden als Mitglieder der „Deutschen Burschenschaft“ u.a. Heinrich Heine oder die Sozialdemokraten Ferdinand Lassalle oder Victor Adler aufgeführt. Geschichtlich stellt sich der Verband als Opfer des Nationalsozialismus dar: „18.10.1935: Zwangsauflösung der Deutschen Burschenschaft durch Adolf Hitler. Wir werden Nazi-Verfolgte, die weitere Existenz ist nur im Untergrund möglich“.(2) Entgegen dieser Selbststilisierung führte die Deutsche Burschenschaft schon in den frühen 20er Jahren einen Arierparagraphen für ihre Organisation ein. Zur Machtübernahme Hitlers war 1933 in den burschenschaftlichen Blättern zu lesen: „Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofür wir im Geiste der Burschenschafter von 1817 jahraus jahrein an uns und in uns gearbeitet haben, ist Tatsache geworden.“ Im Gegensatz zu anderen Studentenverbindungen, die in der Tat durch die Nationalsozialisten gleichgeschaltet wurden, betrieb die „Deutsche Burschenschaft“ ihre Gleichschaltung selbst.

  • Zum Semesterstart im Oktober wurden die Studierenden in der Mensa gleich mit drei Flyern belästigt. Neben Werbung für ihre Verbindung verteilten die Burschen, darunter der Rechtsrockaktivist Hendrik Stiewe, eine Einladung für die Veranstaltung mit Rudi Pawelka und ein vierseitiges Blatt mit einem Interview Reinhard Günzels, das der Burschenschaftler Christoph Amendt für die extrem rechte österreichische Zeitschrift „Aula“ geführt hatte.(3) In den Burschenschaften, so Günzel, sei „ein Geist und eine Idee vorhanden (...), die ein konservatives, patriotisches Element am ehesten befördern könnten.“ Günzel hatte demnach mehrere Vorträge auf Burschenschaftshäusern gehalten und sich „auf Anhieb dort wohlgefühlt.“(4)

  • Ende Oktober wurde dann ein etwas diffuses Flugblatt verteilt, das sich gegen den AStA und die Antifa-AG der Universität sowie einen kritischen Journalisten richtete. Illustriert mit dem Holzschnitt eines Mannes, der im Begriff ist ein Molotow-Cocktail zu werfen und der Unterschrift „Anti Fascist Action“, rühren die Autoren burschenschaftskritische Flugblätter, Artikel, Farbbeutelwürfe auf ihr Haus und den Selbstmord eines Fachhochschuldozenten aus dem Jahr 2000 zusammen. Dass dort ohne sachlichen Zusammenhang die Namen eines AStA-Mitgliedes und eines Journalisten genannt werden, stimmt allerdings bedenklich, da es Methoden der „Anti-Antifa“ aus der miltitanten Neonazisszene übernimmt.(5)

Rechtfertigung durch Rechtsrockaktivist

Dennoch bestreitet die „Normannia-Nibelungen“ Vorwürfe, die ihr rechtsextreme Tendenzen nachsagen. Gegenüber der „Neuen Westfälischen“ schickte sie ausgerechnet ihr Mitglied Hendrik Stiewe vor, der dort deklamierte: „Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit sind tragende, satzungsgemäße Säulen unseres Selbstverständnisses.“(6) Dass man keinerlei „direkten Kontakte“ zum rechtsextremen Spektrum halte, dürfte aber gerade auf Stiewe nicht zutreffen. Er ist Rechtsrockaktivist und gehört zur Neonaziszene Ostwestfalens. Stiewe war für die Internetpräsentation des neonazistischen Schriften- und Musikangebotes von „H8Rock“, einem ehemaligen Versandgeschäft aus Bad Salzuflen, verantwortlich. Der Name läßt sich als „Hate-Rock“ oder nach dem Zahlencode der Szene als „Heil Hitler-Rock“ lesen. Auch andernorts benutzt Stiewe offensichtlich gerne nationalsozialistische Begrifflichkeiten. Im einschlägigen Internetforum „Unser Forum“ schrieb er zeitweise unter dem Pseudonym „Masterrace“ (dt. „Herrenrasse“). Später wurde das Pseudonym in „Agarthi“ umgewandelt. Im November 2003 versuchte Stiewe zusammen mit zwei weiteren Burschenschaftlern und drei Aktivisten aus dem Umfeld des ebenfalls neonazistischen Versandgeschäftes „Christhunt Production“ aus Leopoldshöhe, eine Veranstaltung der Antifa-West zum Rechtsrock zu stören.

Sammelbecken der Extremen Rechten

Dies sind nicht die einzigen eindeutigen Aktionen und Verbindungen der Burschenschaft. Seit im Mai 1999 Horst Mahler auf dem Burschenschaftshaus gegen die „Überfremdung“ hetzte und die Öffentlichkeit auf das Treiben in der Schloßhofstraße aufmerksam wurde, haben sich Aktivisten der „Normannia Nibelungen“ immer wieder eindeutig positioniert. Verortet sich ein Teil davon in der sog. „Neuen Rechten“, sind andere eher den Spektren des militanten Neonazismus und neonazistischen Rechtsrock zuzurechnen. Die „Normannia-Nibelungen“ hat somit eine Scharnierfunktion für die verschiedenen Szenen bis hin zu Rechtskonservativen. Im Haus der Verbindung fanden zahlreiche Veranstaltungen mit extremen Rechten statt, die teilweise nur mäßig, teilweise jedoch außerordentlich gut besucht waren. Zu den Besuchern gehören bekannte Bielefelder Neonazis und NPD-Aktivisten. Aktivisten der Burschenschaft ihrerseits sind bei Aufmärschen und Veranstaltungen der Neonazis zu beobachten. Das Burschenschaftshaus ist in Bielefeld derzeit der einzige Ort, an dem öffentlich angekündigte extrem rechte Veranstaltungen stattfinden, deren Organisation in diesem Rahmen für die Szene sonst nicht denkbar und mit einem erheblichen konspirativen Aufwand verbunden wäre.

Im Folgenden soll anhand zahlreicher Beispiele aus den letzten Jahren aufgezeigt werden, dass die Burschenschaft nicht nur einzelne Verbindungen in das extrem rechte Spektrum hat, sondern ein Sammelbecken extrem rechter und neonazistischer Nachwuchsakademiker.

Patriotismus und „Böhse Onkelz“

Eine „rechtskonservative Verbindung“ nannte ein Stadtblattartikel im Juni 1998 die Burschenschaft. Auf der Internetseite des Mitgliedes Michael Niederjohann fand der Autor patriotische Parolen oder dessen Lieblingsgruppen, darunter auch die „Böhsen Onkelz“. Auch ein Blick auf den Veranstaltungskalender zeige „ideologisch äußerst bedenkliche Aktivitäten“, etwa die Teilnahme am Burschentag in Eisenach. Während des traditionellen Wartburgfestes waren dort schon 1817 öffentlich Bücher verbrannt worden, die von den damaligen Burschen für „Schandschriften des Vaterlandes“ gehalten worden waren.(7) Eine fragwürdige Tradition, die keineswegs so „urdemokratisch“ war, wie sie von den Burschenschaften gerne dargestellt wird.

„Initiative Hochschulrecht“ im extrem rechten Milieu

Im Jahr 1998 machten mehrere Kläger gegen das politische Mandat der Studierendenschaften von sich Reden. Mit den Klagen sollte die Arbeit der Studierendenvertretungen behindert und ihr Einfluss eingeschränkt werden. In der Kritik standen etwa die Antidiskriminierungpolitik durch Lesben- und Schwulenreferate oder Gedenkveranstaltungen zum Nationalsozialismus mit Zeitzeugen. Eine Kampagne, die wesentlich vom „Republikanischen Hochschulverband“ der extrem rechten „Republikaner“ ausging. In Bielefeld existierte die Klagegemeinschaft „Initiative Hochschulrecht e.V.“, die vor allem aus vier Burschenschaftlern bestand. Darunter waren Christoph Amendt, der ehemalige Sprecher der Burschenschaft Normannia-Nibelungen sowie seine Bundesbrüder Björn Hauptfleisch und Marc Strothe. Amendt und Hauptfleisch waren Autoren der Wochenzeitung „Jungen Freiheit“, die dem „intellektuellen Rechtsextremismus“ zugeordnet wird. Strothe wurde bis zu deren Verbot 1992 als Mitglied der militanten Neonaziorganisation „Nationalistische Front“ geführt.(8)

Mit Horst Mahler gegen „Überfremdung“

In die Schlagzeilen geriet die Burschenschaft im Mai 1999, als Horst Mahler auf dem Haus der Burschenschaft an der Schloßhofstr. 96 in Bielefeld referierte. Mahler hatte seine völkisch-rassistischen Thesen zuvor bereits vor NPD-Publikum und militanten Neonazis vorgetragen. Auch im Burschenschaftshaus lauschten seiner Rede Glatzköpfe in Springerstiefeln und der stadtbekannte Bielefelder Neonazi Meinhard Otto Elbing betrieb einen Büchertisch, der neben anderen einschlägigen Zeitschriften auch die „Schwarze Fahne“, das Organ der NPD-Jugend, enthielt. Mahlers Warnungen vor der „Überfremdung“ war bereits im April eine Veranstaltung mit dem ehemaligen Bundesvorstandsmitglied der „Republikaner“ Klaus Weinschenk vorangegangen. Wegweisender Titel des Vortrages: „Sind die Deutschen noch zu retten“. Damaliger Sprecher der Burschenschaft war Marc Strothe, der tief in das Netzwerk von extremen Rechten und Neonazis verstrickt ist.

Aufmärsche und Neonazis

Strothe, damaliger Repräsentant der Normannia-Nibelungen wurde als Mitglied der 1992 verbotenen Organisation „Nationalistische Front“ geführt. Zwischenzeitlich fungierte er als Chef des Bielefelder Verbandes der „Jungen Landsmannschaft Ostpreussen“, einer großdeutschen und rassistischen Gruppierung. Auf den Veranstaltungen der Nachwuchsvertriebenen trafen eine Reihe bekannter Neonazis aus Bielefeld zusammen. Darunter die ehemalige Vorsitzende der „Hilfsgemeinschaft für nationale und politische Gefangene“ Christa Goerth und Meinhard Otto Elbing.

Dass die Veranstaltung mit Horst Mahler zumindest Marc Strothe nicht nur zur Auseinandersetzung mit dessen antisemitischen und rassistischen Ansichten diente, sondern der Unterstützung des späteren NPD-Anwaltes und Holocaustleugners, zeigt seine Teilnahme an einer von Mahler initiierten neonazistischen Demonstration. Zusammen mit Meinhard Otto Elbing trat er zu diesem Anlass im August 1999 in Frankfurt auf. Auch als Neonazis der NPD und der „Freien Kameradschaften“ am 2. Februar 2002 in Bielefeld gegen die sogenannte „Wehrmachtsausstellung“ aufmarschierten, war Marc Strothe mit von der Partie. Ebenso beteiligte er sich 2003 an dem „Rudolf-Hess-Marsch“, der zu Ehren des ehemaligen Hitlerstellvertreters im bayrischen Wunsiedel durchgeführt wurde.

Tatort München

Wie eng der Kontakt Strothes zum gewalttätigen Neonazispektrum ist, zeigt seine Beteiligung an einem aufsehenerregenden Neonaziprozess in München. Im Januar 2001 hatten Neonazis am Rande einer Geburtstagsparty einen Griechen fast zu Tode geprügelt und mehrere ihm zu Hilfe eilende Migranten zum Teil schwer verletzt. Einer der Haupttäter, der Neonazi Christoph Schulte aus dem Sauerland konnte sich vorerst einer Festnahme entziehen. Direkt nach der Tat versteckte er sich im Haus der Münchener Burschenschaft „Danubia“, dann führte sein Fluchtweg über mehrere Stationen bei Neonazis im Ruhrgebiet und in die Niederlande, wo er schließlich verhaftet wurde. Nach einer Meldung der „Welt“ störten Burschenschafter der „Danubia“ und der „Normannia-Nibelungen“ aus Bielefeld dann später lautstark die Pressekonferenz von Staatsanwalt Konrad Bess am Rande des Prozesses, bis sie zum Verlassen des Gerichtsgebäudes aufgefordert wurden. Die Verbindungsbrüder hätten sich für die Hauptangeklagte Maria Anna P. stark machen wollen.(9) Nach einem Bericht der Zeitschrift „Jungle World“ soll Maria Anna von Papen, einer Augenzeugin zufolge beim Überfall auf den Griechen „Schlagt ihn endlich tot!“ gerufen haben. Marc Strothe, der zu dem Prozess erschienen war, habe gegenüber der Presse angegeben, mit Papen befreundet zu sein.(10)

Die Niederlande-Connection

Um dem Vorwurf des Rassismus zu begegnen, berichtet die Normannia-Nibelungen auf ihrer Website immer wieder von Besuchen ausländischer Gäste. So auch über ein Treffen im November 2000 mit Niederländern der „Landesweiten Aktionsplattform Nationalistischer Studenten (LANS)“. Nach Angaben der LANS soll seit Jahren ein freundschaftlicher Kontakt zwischen den beiden Gruppen bestanden haben. Die lächelnden „Gästen aus den Niederlanden“ entpuppten sich bei genauerem Hinsehen jedoch als hartgesottene Neonazis. Insbesondere der Burschenschaftsbesucher Michael Hubert gilt in den Niederlanden als Anführer der Szene in Eindhoven. Niederländische AntifaschistInnen nennen ihn in der Zeitschrift „Lotta“ eine „wichtige Figur in der extremen Rechten“. Demnach war Hubert u.a. Mitglied, Aktivist und Webmaster der neofaschistischen Partei „CP 86“ und späterer Aktionsleiter der „Voorpost Nederland“. Seine Gruppe in Eindhoven war aktionistisch geprägt. „Sie macht mit Plakaten, Aufklebern und Schmierereien auf sich aufmerksam (...) Linke Aktivisten wurden ausspioniert und belästigt, es kam zu Zerstörungen an Büros und Wohnungen von Linken.“(11) Anfang 2000 besetzten die Neonazis eine leerstehende Kaserne und bauten sie zu einem Zetrum aus - „Das völkische Autonome Zentrum“, wie Hubert schrieb. Regelmäßig fanden dort unter Beteiligung auch belgischer und bundesdeutscher Neonazis Treffen, Veranstaltungen und Konzerte statt. Neben anderen trat auch die ostwestfälische Rechtsrock-Band „Sleipnir“ dort auf.

Holocaustleugner

Von Horst Mahler scheint eine ungewöhnliche Faszination auf die Burschenschaftler auszugehen. Im Oktober 2003 reiste Christoph Amendt, der sich in der „Jungen Freiheit“ auch als „Fechtwart“ der schlagenden Verbindung ausgegeben hatte, zu einem mehrtägigen Seminar Mahlers zum Collegium Humaum nach Vlotho. Das Seminarhaus ist als Zentrum von Holocaustleugnern bekannt geworden und wird von Ursula Haverbeck geleitet. Haverbeck selbst wurde wegen mehrerer Holocaustleugnungen im Juni 2004 zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilt. Sie hatte u.a. zusammen mit Horst Mahler und zahlreichen international bekannten und berüchtigten Holocaustleugnern in Vlotho den „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ gegründet. Mahler selbst steht derzeit wegen zahlreicher antisemitischer und holocaustleugnender Äußerungen in Berlin vor Gericht. Nach Angaben der Zeitschrift „Lotta“ soll der Ex-Sprecher der Aktivitas Amendt zu den Ansprechpartnern Haverbecks bei der Burschenschaft zählen. Haverbeck soll demnach bereits auf einer internen Veranstaltung der „Normannen“ vorgetragen haben.(12)

Veranstaltungen

Die Referenten der politischen Veranstaltungen auf dem Haus der „Normannia- Nibelungen“ umfassen das gesamte Spektrum von Neonazis über extreme Rechte bis hin zu rechtskonservativen Rednern. Für alle Veranstaltungen wurde im Internet und teilweise durch Flugblätter öffentlich geworben. Seit rund 60 AntifaschistInnen eine Veranstaltung im März 2004 besuchten, ist allerdings eine Voranmeldung bei der Burschenschaft notwendig und die Normannia-Nibelungen behält sich vor, willkürlich Menschen von ihren Veranstaltungen auszuschließen, deren Ansichten ihnen nicht gefallen.

Die folgende Aufzählung enthält nur eine Auswahl von Veranstaltungen auf dem Burschenschaftshaus. Neben poltitischen Veranstaltungen werden auch scheinbar unpolitische Referate auf den burschenschaftlichen Abenden gehalten. Für den April 2002 wurde etwa „Sonnenuhrbau- Theorie und Praxis“ oder für Januar 2003 „Berufseinstieg für Juristen – Ein Rechtsanwalt steht Rede und Antwort“ angekündigt.

  • Klaus Weinschenk, ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der „Republikaner“ (April 1999)

  • Horst Mahler (Mai 1999)

  • Rolf Dressler, Chefredakteur des Westfalenblattes, sagte im Oktober 1999 nach öffentlichen Protesten ab

  • Rolf Stolz, 1990 bis 1998 stellvertretender Sprecher des Instituts „Friedenskomitee 2000“ von Alfred Mechtersheimer. Autor von Büchern wie „Die Mullahs am Rhein. Der Vormarsch des Islam in Europa“, „Kommt der Islam? Die Fundamentalisten vor den Toren Europas“, in denen die Bedrohungskulisse einer kulturellen Überfremdung aufgebaut wird (April 2000)

  • Heinz Schön, Autor in extrem rechten Verlagen und Zeitschriften, etwa der „Deutschen Militärzeitschrift“ oder dem Hohenrain-Verlag, sagte nach öffentlichen Protesten ab (November 2000)

  • Nach dem Scheitern der Veranstaltungen mit Dressler und Schön gab die Burschenschaft ihre Referenten eine zeitlang nicht mehr öffentlich bekannt

  • Franz Uhle-Wettler, Generalleutnant a.D, war Berater des ehem. Vorsitzenden der „Republikaner“ Franz Schönhuber, Kuratoriumsmitglied der REP-nahen „Carl-Schurz-Stiftung“ und Autor in zahlreichen extrem rechten Publikationen. Mit der Veranstaltung beteiligte sich die Burschenschaft an der Kampagne gegen die sog. Wehrmachtsausstellung. Uhle-Wettler trat im Burschenschaftshaus im Streitgespräch mit dem Unterstützer der Ausstellung Prof. Dr. Helmut Skowronek auf (Februar 2002)

  • Prof. Dr. Erwin K. Scheuch referierte nach einem Bericht von Christoph Amendt über das Thema „Eine neue Weltordnung? Die USA als Hegemon.“ Er plädierte demnach für eine Abkehr der Westbindung Europas. Das langsame Abbrechen des us-amerikanischen Mittelstandes sowie „die steigenden ethnischen Spannungen“ seien ein explosives Gemisch, das den Kern der Politik hegemonialer amerikanischer Ansprüche treffen könne.(13) (Mai 2003)

  • Prof. Dr. Dr. Volkmar Weiss. Der Leipziger Genetiker und Genealoge referierte auch schon vor der extrem rechten „Gesellschaft für freie Publizistik“ und schrieb in der „Jungen Freiheit“. Andreas Speit berichtet in der Zeitschrift „Der Rechte Rand“ über seine im rechtslastigen „Leopold Stocker Verlag“ erschienene Publikation „Die IQ-Falle, Intelligenz, Sozialstruktur und Politik“. Dort diskutiert Weiss die genetische Intelligenz bei „Juden“, „Chinesen“, „Negern“, „Zigeunern“, Türken“ und „Frauen“. Obwohl er einräumt, dass die Unterschiede zwischen Einzelpersonen viel größer seien als die Unterschiede zwischen den Gruppen, kommt er zu dem Schluss, in der „Masse“ sei „Der Neger“, „Türke“ und „Zigeuner“ dümmer als „der Weiße“.(14) Verbandsbruder Timo Kötter schrieb einen Bericht über die Veranstaltung für die zentrale Website der Burschenschaften. Anfangs hatten rund 60 AntifaschistInnen die Veranstaltung besucht. Bei ihrem Eintreffen zogen sich die bekannten Neonazis eilends zurück, darunter ein Bielefelder NPD-Aktivist und Hendrik Stiewe. Die Penetranz der Burschenschaftler, die bei jedem Husten einen Störungsversuch unterstellten und Hausverbote aussprachen, veranlasste die meisten BesucherInnen die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen. (März 2004)

  • Brigadegeneral Reinhard Günzel, der ehemalige Kommandeur der Elitetruppe KSK verlor seinen Job in der Bundeswehr weil er sich zustimmend zu den antisemitischen Äußerungen des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann geäußert hatte. Die Veranstaltung, zu der Timo Kötter eingeladen hatte, wurde nach eigenen Angaben der Burschenschaft von 120 Personen besucht (Juli 2004)

  • Rudi Pawelka, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien und Aufsichtsratsvorsitzender der „Preußischen Treuhand GmbH & Co. KG. a.A.“ Die Treuhand verfolgt das Ziel der Rückerlangung von Eigentum der Vertriebenen und stellt Entschädigungsansprüche gegen die vom Zweiten Weltkrieg und der Rassenpolitik der Nazis betroffenen Nachbarstaaten in Osteuropa. Zu diesem Zweck verkauft die Treuhand Anteile. In der extrem rechten „Jungen Freiheit“ kündigte Pawelka an“notfalls auch in den USA klagen“ zu wollen. Selbst der rechtsstehende Bund der Vertriebenen distanziert sich von Pawelkas Vorgehen. (Oktober 2004)

  • Tobias Wimbauer, Sammler und Forscher über Ernst Jünger sollte zum Thema „Kelche sind Körper. Zum Hintergrund der Burgunderszene in Ernst Jüngers Strahlungen“ sprechen. Wimbauer veröffentlichte u.a. in der „Jungen Freiheit“, oder erstellte das Register des Skandalbuches „Jüdischer Bolschewismus, Mythos und Realität“ von Johannes Rogalla von Bieberstein. Der für den 10. November 2004 vorgesehene Vortrag musste verschoben werden.

„Normannen“ in der Deutschen Burschenschaft

Im Jahr 1988 trat die Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ der Deutschen Burschenschaft bei, einem Dachverband von 120 bundesdeutschen, österreichischen und chilenischen Burschenschaften. 1995/96 spalteten sich acht eher konservative Bünde von dem Verband ab, da er ihnen zu rechtslastig war. Tatsächlich sind die Deutsche Burschenschaft und ihre Mitgliedsbünde fest in ein extrem rechtes Netzwerk integriert. Extrem rechte Referenten sind auf den meisten Burschenschafthäusern sowie auf dem jährlichen „Burschentag“ in Eisenach die Regel. Zu den Mitgliedern gehören auch Jörg Haider oder der „Republikaner“-Vorsitzende Rolf Schlierer. Die Gründungsversammlung des „Republikanischen Hochschulverbandes“, des Studentenverbands der „Republikaner“, fand auf dem Haus der Münchener Burschenschaft Danubia statt. Auch zur Hohmannaffäre äußerte sich die Deutsche Burschenschaft. Mit einer Presseerklärung unter dem Titel „Feiges Zurückweichen vor linkem Meinungsdruck“ wandten sich die Burschen an die Delegierten des CDU-Parteitages.

(Antifa-West, Dezember 2004)

(1) Vgl. Nomannen in der Mensa, Webwecker Bielefeld
(2) Vgl. Die Deutsche Burschenschaft, Flugblatt, o,D., ca. 2004
(3) Vgl. Normannischer Semesterstart, Webwecker Bielefeld
(4) Vgl. Wir sagen Dankeschön!!!, Flugblatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen, o.D. ca. Oktober 2004
(5) Vgl. Wer im Glashaus sitzt, Flugblatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen, Oktober 2004
(6) Vgl. Neue Westfälische, 2. Dezember 2004
(7) Stadtblatt vom 4.5.1998
(8) Vgl. auch Peters, Carsten, Die Klagen gegen das politische Mandat als Projekt der „Neuen Rechten“, pm Bündnis
(9) Vgl. Skinhead.Prozess hinter verschlossenen Türen, in: „Die Welt“, Lokales, vom 27.9.2001
(10) Vgl. Rettet den Schöffen, in: Jungle World vom 17.102001
(11) Vgl. Lotta, antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 12, S. 35f.
(12) Vgl. Lotta, antifaschistische Zeitschrift aus NRW, Nr. 16, S. 19
(13) Vgl. Amendt, Christoph, Burschenschaftlicher Abend mit Prof. Dr. Erwin K. Scheuch in Bielefeld, auf www.burschenschaft.de
(14) Vgl. Speit, Andreas, „Begründet im Besten, vergehen im Anderen“, in Der Rechte Rand, Juli/August 2004, S. 23f.