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Bad Salzuflener untermauert Ansprüche auf Naziland am Südpol

Extreme Rechte erheben Gebietsansprüche, die weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinausgehen. Ansprüche auf Teile des Südpols untermauert nun eine Buchveröffentlichung von Heinz Schön aus Bad Salzuflen, die mit zahlreichen Hakenkreuz illustriert ist. Schön war einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, als er eine Vorlage zu Günter Grass' Buch „der Krebsgang“ lieferte.

Das neueste Buch von Heinz Schön heißt „Mythos Neuschwabenland, Für Hitler am Südpol“ und zeigt gleich auf dem Titel ein Hakenkreuz. Weitere 18 Hakenkreuzfähnchen sind auf der Umschlaginnenseite zu finden. Sie markieren ein Gebiet in der Antarktis, das nach Aussagen des Autors die „Größe Deutschlands in den Grenzen von 1938“ umfasst. Das Buch berichtet über eine deutsche Antarktisexpedition 1938/39, die auf Betreiben Hermann Görings unternommen worden war. Vermutete Rohstoffvorkommen und die strategische Bedeutung der Antarktis waren Gründe für die Erforschung und Landnahme. Letztere bestand im wesentlichen aus der Anfertigung von Luftbildern, der Benennung des Gebietes nach dem Expeditionsschiff als „Neu-Schwabenland“ und dem Abwurf von Hakenkreuzfahnen beim Überfliegen des Gebietes. Neben der Verbreitung nationalsozialistischer Symbole scheint die Auseinandersetzung um die Besitzfrage das zweite wesentliche Anliegen des Buches zu sein.

Ansprüche auf „Neu-Schwabenland“

Schon vor Rückkehr der Expedition stellte Norwegen gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland fest, dass es das Gebiet als „Königin-Maud-Land“ bereits früher entdeckt und in Besitz genommen habe. Wie auch immer die Nazis ihre Welteroberungspläne begründeten, ist letztlich belanglos. Zu weiteren Expeditionen zum Südpol kam es während des Zweiten Weltkrieges nicht. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik geht in einem Schreiben an Schön zumindest davon aus, das „Deutsche Reich“ habe weder damals noch später konkrete Ansprüche auf das Gebiet erhoben. Dem gegenüber stellt der Autor einen Artikel aus der Internetseite „Volksmacht“ der neonazistischen „Deutschen Freiheitsbewegung“. Demnach habe Norwegen das Recht auf das Land verwirkt, da es nicht praktisch gegen die Landnahme einschritt, eine Ansicht, die sich Schön in einem Interview mit dem NPD-Blatt „Deutschen Stimme“ im April 2005 auch zu eigen macht.

„Revisionist aus unserer Heimat“

Eine eher kuriose Veröffentlichung, wäre der Autor nicht auch jenseits extrem rechter Kreise als Spezialist gefragt. Heinz Schön war ehemals Verkehrsdirektor in Herford und betreibt in Bad Salzuflen das private „Ostsee-Archiv“. In jungen Jahren erlebte er den Untergang der „Wilhelm Gustloff“ und war einer der wenigen Überlebenden. Seine Veröffentlichungen über die „Wilhelm Gustloff“ lieferten eine Vorlage zu Günter Grass' Buch „Der Krebsgang“, wodurch Schön einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Davor waren seine Bücher mit Titeln wie „Hitlers Traumschiffe“ oder „Heimatland in Feindeshand“, die meist von Flucht und Vertreibung oder militärische Themen handeln, im extrem rechten Arndt-Verlag aus Kiel erschienen. Aufsätze lieferte er zum Beispiel für die „Deutsche Militärzeitschrift“ oder den von Rolf-Josef Eibicht im extrem rechten „Hohenrain-Verlag“ herausgegebenen Sammelband „50 Jahre Vertreibung“. Zielsetzung des Herausgebers war u.a. das angeblich „unverjährbare Genocid und das Völkerrechtsverbrechen der Massenaustreibung“ gegen die „tatsächlich und angeblichen deutschen Verbrechen“ aufzurechnen und ein Großdeutschland einzufordern. Im ostwestfälischen NPD-Blatt „Die Weserwarte“ wurde Schön als „Revisionist aus unserer Heimat“ vorgestellt. Dank seiner Veröffentlichungen könnten nun den „alliierten Lügenerzählern“ die Zähne gezeigt werden. Auch als Referent auf extrem rechten Veranstaltungen ist der Bad Salzuflener gefragt. Erst am 15. April kündigte die „Junge Freiheit“ einen Vortrag vor dem „Schulverein zur Förderung der Rußlanddeutschen in Ostpreußen“ an. Auch die Aktivitäten des Vereins zielen auf ein Großdeutschland. Die Förderung der Rußlanddeutschen im russischen Kaliningrad sind in ein Konzept der „stillen“ und stückweisen Rückgewinnung Ostpreußens eingebettet.

In diesem Umfeld scheint sich der angebliche Träger des Bundesverdienstkreuzes wohlzufühlen. Auch das Buch „Mythos Neu-Schwabenland“ ist im extrem rechten „Bonus-Verlag“ erschienen. Der Verlag gehört zum Unternehmenskomplex um den „Arndt-Verlag“ in Kiel. Über den angeschlossenen Buchdienst „Lesen & Schenken“ werden zahlreiche neonazistische Bücher, Devotionalien und CDs entsprechender Liedermacher und Musikgruppen vertrieben.

(Antifa West, April 2005)